Mein Name ist Christian Klingsieck und ich wurde an einem grauen Novembertag im Jahre 1978 in Potsdam geboren. Ich habe da natürlich keine Erinnerung dran, aber mal ehrlich, sind nicht alle Novembertage ein bisschen grau?
Auf eine glückliche und sehr freie Kindheit zurückblickend, habe ich trotz vieler Irrungen und Wirrungen irgendwann meine Leidenschaft zum Beruf gemacht und bin Dienstleister geworden. Dass die Informationstechnologie irgendwann meine Dienstleistung sein würde, war mir allerdings nicht gleich bewusst, jedoch hat mich Technik schon immer fasziniert.
Geholfen hat dabei das bescheidene Talent, technisches Verständnis zu besitzen und Geräte und Funktionen oftmals durch reines Beobachten zu begreifen.
So habe ich im Laufe meines Lebens viele Jobs gemacht, bis ich dann irgendwann in der Informationstechnologie (IT) gelandet bin. Da aber alles in Deutschland auf soliden Ausbildungen fußen sollte, habe ich zwischen 2003 und 2005 den Beruf des Fachinformatikers für Systemintegration erlernt und bin sozusagen ein IHK-verbriefter Nerd.
Nach der Ausbildung habe ich in einem Unternehmen gearbeitet, das Ermittlungen im Insolvenzbereich durchgeführt hat. Da ging es dann natürlich um die unternehmenseigene Technik, aber eben auch um die forensische IT-Sicherung von Firmen, die in finanzielle Schwierigkeiten gekommen sind.
Da Systemadministratoren in der Regel aber neuralgische Spielfiguren beim Thema Insolvenzverschleppung sind, wurden diese oftmals von Insolvenzverwaltern freigestellt und waren bei der Datenerhebung selten eine große Hilfe. Und genau da entdeckte ich meine Leidenschaft fürs kalte Wasser! Systeme zu begreifen, ohne Vorinformationen, ohne Hilfsleistungen, mit Unternehmensmitarbeitern, die ja trotz der Insolvenz noch weiter arbeiten sollten, war eine regelmäßige Herausforderung in meinem Berufsalltag. Dabei ging es sowohl um die technischen Punkte, als auch um die soziale Komponente. Denn was viele nicht wissen: Insolvenzverwaltern liegt tatsächlich daran, dass Mitarbeiter ihre Jobs behalten und eine Firma weitergeführt werden kann.
Diese Arbeit hat mir unglaublich viel Freude bereitet. Abgesehen von den IT-Dingen war es für mich auch immer wieder schön zu erleben, wie Mitarbeiter aufgetaut sind und wie sich das Verhältnis im Laufe einer Insolvenzermittlung verändert hat.
Im Jahre 2008 bin ich dann mit einer solchen Firma in die Fänge des Bertelsmann-Konzerns geraten und durfte mich auf Anraten eines Kollegen dort als Subunternehmer selbstständig machen. So entstand PC-Worker und so betrat ich die Welt der eigenverantwortlichen IT-Dienstleister.
2014 wollte ich dann einmal etwas ganz anderes ausprobieren, habe meine Wohnung gekündigt, mein Hab und Gut verkauft und mich auf eine Fahrradreise quer durch Südost-Europa begeben.
Als ich im Oktober 2014 zurück nach Deutschland kam, war alles anders. Nicht in Deutschland, aber in mir.
Ich hatte auf der Tour unglaublich viele großzügige Menschen kennengelernt und war etwas (kultur-)geschockt vom teils sehr rüden Umgang der Menschen miteinander hier. Denn im Gegensatz zu den Menschen in Ungarn, Serbien und Bulgarien hatten wir doch hier alles und trotzdem herrschte ein Klima der Unzufriedenheit und des Neides. Der Zeitpunkt, kurz vor der großen Flüchtlingswelle, der Krim-Annexion und dem Aufkommen alten nationalistischen Gedankengutes war allerdings auch ziemlich doof von mir gewählt.
Somit waren die Herausforderungen, die ich früher so im technischen Bereich geliebt habe, nun plötzlich auf mein gesamtes Leben übertragen und ich muss zugeben, es war nicht einfach, hier wieder Fuß zu fassen. Das funktionierte nur in kleinen Schritten, denn in meinem Gepäck hatten sich neue Ideale versteckt, die mich dazu veranlassten, die Entwicklung in meiner Heimat noch einmal neu zu betrachten.
So habe ich in dem Versuch, etwas verbessern zu wollen, begonnen, in einer großen NGO zu arbeiten. Was sich allerdings ziemlich schnell als Mogelpackung herausstellte. Während man hier den Mitarbeitern erklärte, dass die sinnstiftende Arbeit einen Teil des Lohns ausmacht, wurde an anderen Stellen viel Geld zum Fenster herausgeworfen. Und das primär auf dem Rücken der vielen fleißigen Ehrenamtlichen.
Und so bin ich dann 2020 beim THW gelandet. Und das, obwohl hier auch nicht alles rund läuft, ist wirklich sinnstiftend. Hier war ich lange Zeit als Regionalstellenadministrator für die Belange meiner elf Ortsverbände zuständig. Eine Arbeit, die mich um ihrer selbst willen lange Zeit sehr befriedigt hat. Was allerdings nicht gut war, war die geringe persönliche Entwicklungsmöglichkeit. Und so bin ich lange Zeit (dienstlich verordnet) weit unter meinen Möglichkeiten geblieben.
Das hat sich im Jahr 2024 glücklicherweise geändert und ich konnte in die neu gegründete IT-Sicherheit wechseln, um unsere Behörde und damit eben auch eine wichtige Säule des deutschen Zivilschutzes vor Angriffen zu schützen. Ein Job, der Spaß macht, auch wenn er mitunter sehr theoretisch daherkommt.
In den letzten Jahren habe ich mich zunehmend mit dem Thema „Innentäter“ beschäftigt, weil ich es spannend und zugleich erschreckend finde, wie einfach man unbemerkt in vorhandene Systeme eindringen kann, wenn man erst einmal in die Räumlichkeiten vorgedrungen ist. (Was mit einem Anzug, einer Monteurskluft oder einer Uniform ziemlich leicht ist.)
Somit schließt sich der Kreis, denn Menschen Werkzeuge zur Selbsthilfe an die Hand zu geben, schließt eben auch Sensibilisierung für mögliche Gefahren ein. Das erweitert das Portfolio meiner Leidenschaften erheblich.
Ihr
Christian Klingsieck
